Janina Roider

Texte und Vita

Daniela Baumann

UNTITLED (Ohne Titel)

Keinen, beziehungsweise einen Titel zu vergeben, der seine eigene Existenz verleugnet, geriet in der Kunstgeschichte der vergangenen 50 Jahre zu einer beliebten künstlerischen Geste, der sich auch Janina Roider in jüngster Zeit immer häufiger bedient.
Im Falle der 1986 in Dachau geborenen Malerin hat dies aber weder mit Faulheit noch mit Einfallslosigkeit zu tun, sondern mit einer bewussten Emanzipation von zu eng gesteckten Deutungsrahmen. Noch vor zwei Jahren wiesen Titel wie „Elvis“, „Amy“ oder „Marilyn“ den Betrachter darauf hin, welche Persönlichkeiten aus Geschichte und Popkultur Roiders Werke inspirierten. Inzwischen fehlen nicht nur diese Interpretationshilfen, auch der nun wesentlich höhere Grad der Abstraktion der Darstellung erschwert eine eindeutige Lesart.

Janina Roiders Umgang mit Werktiteln steht beispielhaft für ihren gesamten künstlerischen Werdegang. Während ihre intensive, bereits mehr als zehn Jahre andauernde Auseinandersetzung mit dem Genre der Porträtmalerei anfänglich noch durch eine sehr wirklichkeitsnahe und detailgetreue Malweise geprägt war, sind es heute oft nur wenige Details wie ein roter Mund, ein blonder Haarschopf oder Augen, die den Betrachter erahnen lassen, dass es sich tatsächlich um Porträts handelt. Den Impuls für diese Entwicklung gab ausgerechnet die Fotografie – genauer gesagt Roiders Interesse an der Frage, wie sich die Erfindung der Fotografie auf die Malerei auswirkte.
„Die Fotografie ist der Todfeind der Malerei, sie ist die Zuflucht aller gescheiterten Maler, der Unbegabten und der Faulen“, urteilte der französische Schriftsteller Charles Baudelaire (1821-1867) Mitte des 19. Jahrhunderts über die damals noch sehr junge Technik des Lichtbildes. Mit der Fotografie war den Künstlern dieser Zeit plötzlich eine ganz neue Art von Vorlage zugänglich, gleichzeitig erschien deren malerische Reproduktion aber als obsolet. Ausgehend vom Impressionismus distanzierte sich die Malerei von der Fotografie, in dem sie sich zunehmend vom realistischen Abbild löste und Darstellungen hervorbrachte, welche die reale Vorlage zuerst leicht und dann später bis zur Unkenntlichkeit abstrahierten.

Es ist exakt dieser Grenzbereich, der Janina Roider reizt. Ihre Werke setzen sich mit der Frage auseinander, wie stark ein Bildnis reduziert werden kann, ehe das Objekt der Darstellung alle Figürlichkeit und Ikonizität verliert und nur noch indexikalisch interpretierbar ist. Die Künstlerin selbst deutet ihre Arbeiten als Antithesen zu den leicht konsumierbaren Bildern der zeitgenössischen Informations- und Medienwelt. Einer Flut gleich, überschütten diese Bereiche ihre Konsumenten täglich über soziale Medien, Werbung, Nachrichten, Zeitschriften und Filme mit Bildern, die aufgrund ihrer hohen Anzahl und Frequenz möglichst einfach zu deuten sein sollten, gleichzeitig aber aufgrund ihrer schieren Masse kaum mehr eingehend reflektiert werden. Die abstrakt-expressiven Porträts der Künstlerin zwingen den Betrachter zur längeren Einlassung und werden so zu Kontrapunkten im gegenwärtig üblichen Umgang mit Bildern.

ADRIENNE BRAUN

Die Schichten der Seele

Zu den Porträts von Janina Roider

Elvis, Marilyn, Amy – die Vornamen genügen, schon werden vertraute Bilder aus dem kollektiven Gedächtnis abgerufen. Marilyn, die Blondine mit flatterndem Rock, Amy, die abgestürzte Soulqueen. Aber lassen die medialen Bilder, die Mythen konstruieren, tatsächlich auf das Wesen eines Menschen schließen? Die malerische Antwort von Janina Roider ist eindeutig: Nein. Die junge Münchner Malerin, die in Glasgow studiert hat und heute Meisterschülerin von Günther Förg ist, beschäftigt sich ausschließlich mit der klassischsten Gattungen der Bildenden Kunst: dem Porträt. Sie malt Menschen aus ihrem Umfeld, vergängliche Superstars bis hin zu mythisch überhöhter Pop- und Filmprominenz.
Janina Roider will aber keineswegs reale Bilder in Malerei übersetzen, erst recht nicht die Persönlichkeiten über das Porträt charakterisieren und definieren. Im Gegenteil: ihre Malerei formuliert ein grundlegendes Misstrauen dem Abbild gegenüber. Janina Roider überträgt diverse fotografische Vorlagen schichtweise auf die Leinwand – und löst damit die vermeintliche Eindeutigkeit der Motive auf. Ihre oft dramatische, kraftvolle Malweise ist mal gestisch, mal kontrolliert und findet häufig in einem impulsiven Malakt auf dem Boden statt. Die haptische Qualität der Materie, die Präsenz der von Roider selbst gemischten Farbe macht die verschiedenen Gesichter des Ichs sichtbar. So gelingt es der Malerei, die Beschränktheit des fotografischen Porträts zu überwinden und die Komplexität und Vielschichtigkeit des Seins aufzuzeigen.

SWP //Lena Grundhuber: Expressive „Ikonen“-Malerei. Zuerst ist da nur eine Ahnung von Haut und zerlaufenem Lippenstift. Von etwas, das sehr weich und hell und fraulich ist. LGH | 
NUZ // M. Golling  AUSSTELLUNG Marilyn und Elvis kommen unter den Pinsel. Smudajeschek-Galerie präsentiert die Künstlerin Janina Roider. Besondere Aktivitäten in der Museumsnacht …weiter

 

Biografie / Ausstellungen

2015 Diplom als Meisterschüler bei Günther Förg
2014 1. Staatsexamen Kunstpädagogik mit Auszeichnung
2011 Bachelor of Fine Arts, Glasgow School of Art, Schottland
2009 – 2015 Freie Kunst bei Prof. Günther Förg, Akademie der Bildenden Künste München
2006 – 2015 Kunstpädagogik bei Prof. Matthias Wähner, Akademie der Bildenden Künste München
2005 Allgemeine Hochschulreife, Augsburg
* 1986 in Dachau

Preise und Stipendien

2015 Bayerisches Atelierförderprogramm
2008 – 2015 Stipendium des Bundesbegabtenförderungswerk Ev. Studienwerks e.V. Villigst
2014 1. Preis Plakatwettbewerb, Internationale Kunstfestival in Toulouse
. . . . . “Hommage an Günther Förg”
. . . . . Atelierförderung Domagkpark
2012 Atelierförderung Otto- Steidle- Ateliers der Fondara Immobilien
2011 Meisterschülerin von Prof. Günther Förg
2010 – 2011 Auslandsstipendium an der Glasgow School of Art, UK
2008 1. Preis „Junge Kunst 18- 28“, BBK Oberbayern Nord und Ingolstadt
2007 Förderkalender der LFA, „Junge Kunst in Bayern“ 2008

Einzelausstellungen

2015 „DIS# COVER“ mit Lev Khesin, SMUDAJESCHECK, München
2015 “Watchlist”, Galerie Evelyn Drewes, Hamburg
2014 “Das kleine Format”, Galerie Smudajescheck, Ulm
2013 “Ae farewell, alas for ever!” (R.Burns) , Galerie Smudajescheck, Ulm

Ausgewählte Gruppenausstellungen

2014 Klasse G. Förg/ M. Dornfeld, Galerie Matthias Jahn, München
. . . . . Jahresgaben, Galerie FOE, München
. . . . . Off the Wall, mit T. v. Poschinger u. J. Beer, Galerie Kampl, München
. . . . . Irgendwo Dazwischen, The Galley, Liverpool, England
. . . . . Hommage an Günther Förg , Museum Les Abattoire, Toulouse, Frankreich
. . . . . Vorschau- Rückblick, Galerie Kampl, München
2013 Gruppenausstellung, Künstler der Galerie Kampl, München
2012 Nichts ist aber bleibt , Klasse Förg, Cordonhaus,Cham
2011 Painting and Printmaking Part II , Newberry Gallery, Glasgow
2010 Bayern- Italien; Kunst des 20. u. 21. Jahrhunderts ,
. . . . . Deutsches Hopfenmuseum, Wolnzach
2009 Jetklasse Lisboa , Fábrica do Braço de Prata, Lissabon, Portugal
. . . . . Figur und Raum – Malerei , mit Julia Winter und Haiying Xu,
. . . . . Gartenhaus der Kunst, München
. . . . . Meine Projektion ist größer heller und schneller als deine,
. . . . . mit Susi Gelb und Nele Müller, Akademie Galerie, München
. . . . . Bavarian Show, Munich – Los Angeles , Modern Art Gallery, Los Angeles
. . . . . das wärs gewesen , Ausstellung von Studenten der Kunstakademie
. . . . . München kuratiert von Via Lewandowsky, Akademie Galerie, München
2008 Junge Kunst 18-28 , BBK Ingolstadt, Klenzepark
. . . . . Ausstellung zum „Kunstpreis Gersthofen“ , Ballonmuseum, Gersthofen
. . . . . Gutes Amerika- Böses Amerika, Galerie Noah, Augsburg
. . . . . “Altbau oder Neuland” , Neuland, München
2006 Das kleine Format , Kunstverein Aichach

Messen

2015 Art Karlsruhe, Galerie Smudajescheck, Ulm
2014 Art Karlsruhe: One Artist Show Galerie Smudajescheck, Ulm
. . . . . Gruppenausstellung Galerie Kampl, München
2013 Preview Berlin Art Fair, Einzelpräsentation, Galerie Smudajescheck, Berlin
. . . . . Art Karlsruhe, Galerie Kampl, Karlsruhe