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SMUDAJESCHECK  MÜNCHEN

Kunstraum Van Treeck
Schwindstraße 3 | 80798 München

U2 Theresienstraße
Mi-Fr 11–18, Sa 11–16 

0173 3110309 • art@smudajescheck.com

 

SÜDWEST PRESSE Kulturspiegel 27.08.2011

 

Im Spannungsfeld

Lena Grundhuber

Neugier ist ihre Geschäftsgrundlage: Seit zwei Jahren betreibt Charlotte Smuda-Jescheck im Werkraum ihre Galerie. Gezeigt wird, was ihr gefällt – Junges und Altes, Expressives und manchmal auch „fast Nichts“. 

Charlotte Smuda-Jescheck ist jetzt 57 Jahre alt und hat eben ihren zweiten Geburtstag gefeiert – als Galeristin. In diesem zarten Alter, findet sie, hat man durchaus das Recht und das Potenzial zu lernen. Hingabe brauche es halt und Power; an beidem scheint es der Frau mit den neugierigen braunen Augen nicht eben zu mangeln. Erst 2009 ist die Architektin ihres Mannes wegen aus München nach Ulm gezogen. Dort fand sie den rund 35 Quadratmeter großen „Werkraum“ für Architektur und Design. Neben den anderen Mitgliedern des Trägerkreises bespielt sie den Raum nun den Großteil des Jahres.

Viel herzlicher hätte die Stadt sie nicht empfangen können als mit diesem kleinen Laden in der Rabengasse 16. Neben der „Galerie Smudajescheck“ – für die Galerie ist der Doppelname verschmolzen – blühen die Heckenrosen, gegenüber hängen blaue Trauben über den Türstock und geradeaus schaut man zwischen schmiedeeisernen Schildern hindurch auf das Schiff des Münsters. Charlotte Smuda-Jescheck hat sich jedenfalls einen Stuhl vor die Türe gestellt, denn dort ratscht es sich am schönsten. Sie habe lange darüber nachgedacht, eine Galerie zu eröffnen, erzählt sie. Als Architektin habe sie von Hause aus eine Affinität zu Kunst. Den entscheidenden „Kick“ aber habe ihr München gegeben, wo sie im Galerienviertel, neben der Kunstakademie, wohnte, die Diplomanden- und Jahresausstellungen quasi vor der Haustür.

Charlotte Smuda-Jescheck ist eine jener Galeristinnen, die sich auch nach ganz jungen Talenten umsehen. Dabei folgt sie ihrer Neugier, die sich im Prinzip auf das ganze „Spannungsfeld“ der zeitgenössischen Kunst richte, wie sie sagt – von der lebhaften Farbigkeit des Koreaners Ji In Park bis zum pastelligen „fast Nichts“ auf den Blättern eines Antonio Calderara, der längst gestorben ist. „Es ist eine Mehrgenerationengalerie. Ich bin viel zu neugierig, um mich einzuschränken“, sagt die Mutter dreier erwachsener Kinder. „Meine Künstler wachsen mit mir, und ich mit ihnen.“ Als Galeristin mag sie neu im Geschäft sein, aber Charlotte Smuda-Jescheck scheint das Projekt sehr professionell voranzutreiben. Qualität muss es haben, was hier hängt. Und die muss sie, will sie auch verkaufen.

Smuda-Jescheck weiß, was sie ihren Künstlern schuldig ist. „Es ist mir wichtig, die Künstler hier auszustellen und sie dann auch weiterzubringen.“ Sie betreibt die Galerie als Vollzeitjob, besucht Ateliers und die Kunstmessen, versucht überall, Netze zu knüpfen. Die aktuelle Ausstellung mit Jean Hannon Douglas, Carin Riley und Molly Stevens etwa ist Ergebnis einer Reise nach New York. Daneben realisiert sie auch Projekte im Außenbereich: Mit Marianne Hollenstein hat sie eine temporäre Installation in der Münchner Musikhochschule – dem ehemaligen NS-Führerbau – konzipiert. In einer Industriehalle Großformate von Ji In Park ausgestellt. Auch in der SWP-Galerie – einst Kurt Frieds „studio f“ – war sie mit einer Ausstellung zu Gast.

Besonders stolz ist sie auf den Coup, der ihr jüngst gelungen ist: Zusammen mit der Berliner Galerie Läkemäker präsentiert sie im September Ji In Park und Lev Khesin auf der Preview Berlin. Die Stadt Ulm mit ihrer HfG-Tradition, mit der Sammlung Fried, mit Sammlern wie Weishaupt oder Walther müsse man viel stärker noch als Kunststandort ins Bewusstsein rufen, findet Charlotte Smuda-Jescheck. Kaum aus der Hauptstadt zurück, plant sie deshalb Ende September mit den Kollegen von der Fischerplatzgalerie und Tobias Schrade gleich das nächste Projekt – einen Rundgang durch diese drei Ulmer Galerien.

 

Interview April 2011 im „sonnendeck“


 

SMUDAJESCHECK GALERIE in Ulm

Im Sommer 2009 gründete Charlotte Smudajescheck im werkraum die Kunstgalerie. Der Raum liegt zentral, nur wenige Schritte vom Ulmer Münster entfernt in einer inzwischen herausgeputzten mittelalterlichen Gasse. Die SMUDAJESCHECK GALERIE zeigt zeitgenössische nonfigurative, oft in der Tradition des abstrakten Expressionismus stehende Malerei, Objekte und Grafik der konkreten Kunst und der Konzeptkunst. Lichtkunst, auch lichtkinetische Objekte haben im Programm einen hohen Stellenwert. Besonderheit im Konzept: die Outside-Aktionen und Ausstellungen. Die Galerie bespielt neben ihrem Sitz im werkraum außergewöhnliche Orte temporär. Gerade ist die Installation „es war einmal…“ im berüchtigten Münchner „Führerbau“ zu Ende gegangen. Letzten Sommer wurden in einer Industriehalle große Formate von Ji In Park ausgestellt. Beide Aktionen sind in Filmen dokumentiert (siehe website).

SD: Welche Ausstellung zeigen Sie im April 2011?

„Outside“ ist Ulrike Seyboth aus Berlin mit abstrakter Malerei in der SÜDWEST PRESSE GALERIE, einem traumhaften Jugendstilraum von Richard Riemerschmid bis 21. Mai zu sehen. Die ehemalige Bildergalerie der Wielandvilla, später studio f von Kurt Fried, heute SÜDWEST PRESSE GALERIE ist legendär – ab 1968 stellte Kurt Fried dort Künstler aus, die inzwischen international anerkannt sind. Im werkraum zeige ich ab 15. April ausnahmsweise keinen Zeitgenossen. Es sind Serigrafien und Malerei von Antonio Calderara, der in seinem Spätwerk zur konkreten Kunst fand. Die Rückkehr der Arbeiten von Marianne Hollenstein aus München, bietet den Anlass, das Atelier der Künstlerin, eine ehemalige Kofferfabrik, für einen Abend, am 29. April in einen Ausstellungsraum zu verwandeln und dem hiesigen Publikum zu öffnen. Unser Video von der Eröffnung inklusive Performance von Verena Weiss wird dort auch zu sehen sein.

SD: Wie finden Sie neue Künstler für die Galerie?

Die Künstler, die ich bisher ausgestellt habe, fielen mir z.B. bei der Meisterschülerausstellung in München auf oder durch Hinweise erfahrener Menschen im Akademieverein, auf Galerie- und Messerundgängen z.B in Freiburg und Karlsruhe. Von dort ging dann der Kontakt nach Berlin weiter. Neue Künstler entdecke ich mit Vorliebe in den Akademien.

SD: Spielt die Öffentlichkeitsarbeit im Galeristenberuf heute eine größere Rolle?

Öffentlichkeitsarbeit ist extrem wichtig, um Künstler und Galerie bekannt zu machen. Ich arbeite an der Präsenz im Internet z.B. auch durch Videos und an der Verbreitung meiner Künstler in den Feuilletons der Tageszeitungen, in den führenden Kunstzeitschriften und weiteren relevanten Printmedien.

SD: Wie wichtig schätzen Sie Kunstmessen ein, respektive beteiligen Sie sich an solchen?

Kunstmessen sind die Plattform, um Sammler und Künstler zusammen zu bringen. Für eine junge Galerie wie die meine ist die Beteiligung an einer Satellitenmesse z.B. in Berlin oder Basel das nächste Etappenziel.

SD: Standort Ulm: Gibt es Vernetzungen mit anderen Galerien oder Kooperationen mit sonstigen ortsansässigen Kultureinrichtungen?

Ich arbeite mit den beiden führenden Galerien in Ulm immer enger zusammen. Dieses Jahr im Herbst starten wir zu dritt eine gemeinsame Kunstaktion. Die Lange Nacht der Museen ist mit einem umfangreichen Programm der Museen, des Kunstvereins, des Stadthauses und der Galerien ebenfalls eine Kooperation. Ulm ist ein peripherer Standort. Doch seit einigen Jahren gibt es hier großartige Entwicklungen in Sachen Kunst, Architektur und Stadtplanung. Allein drei Sammler haben ihre Sammlungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es gilt also Ulm weiter als Kunststandort durch örtliche kooperative Aktionen zu stärken und gleichzeitig stetig an der überregionalen Vernetzung zu arbeiten. Deshalb sind mir die überregionale Verbreitung und Kooperationen so wichtig. Mit Berlin ist im Sommer ein Künstlertausch geplant.

SD: Was hat Sie dazu motiviert, eine Galerie zu eröffnen?

Schon lange bewegte ich den Galeriegedanken im Hinterkopf. Ich hatte langjährige Kontakte zu Künstlern. Durch das Leben im Museums- und Galerienviertel in München, die Nähe zur Kunstakademie und deren Kunstauktionen sowie durch Besuche in Berlin Mitte habe ich den entscheidenden Kick für die Kunstvermittlung bekommen. Mich motiviert es, Künstler und ihre Arbeiten, von denen ich überzeugt bin, regional, überregional und international bekannt zu machen, andere von der Qualität zu überzeugen.

SD: Ihre momentane Top-Five zeitgenössischer Künstler:

Pae White, Olafur Eliason, Cecily Brown, Gerhard Richter, Olaf Metzel